Patientenverfügung und Versorgungsvollmacht

Patientenverfügung und Versorgungsvollmacht

Ein gleichmäßiges Piepsen von medizinischen Geräten und ein Arzt, der den Angehörigen keine Hoffnungen mehr machen kann … Die Vorstellung, nur noch von Apparaten am Leben gehalten zu werden, während Familie und Freunde hilflos neben dem Krankenbett stehen, ist für viele Menschen ein Graus. Noch schlimmer ist nur der Gedanke, den liebsten Menschen die Bürde aufzuerlegen, über Tod oder vielleicht sogar menschenunwürdiges Leben zu entscheiden.

Mit einer Versorgungsvollmacht oder einer Patientenverfügung kann für den Fall der Fälle vorgesorgt werden. Dabei handelt es sich um eine vorsorgliche Willenserklärung des Patienten, die das Vorgehen im Ernstfall regelt.

 

Die Entscheidung für das Lebensende

 

Die Patientenverfügung legt Wünsche, Wertvorstellungen und Behandlungsmaßnahmen fest, die ein Patient für den Fall seines persönlichen Unvermögens erfüllt wissen möchte. Im medizinischen Bereich kann der Verfasser über die Verfügung beispielsweise bestimmen, dass lebenserhaltende Maßnahmen umgesetzt, eingeschränkt oder abgelehnt werden. Das bedeutet, dass der Patient selbst zu einer Zeit, in welcher er uneingeschränkt von geistigen Einschränkungen entscheiden kann, festlegt, welche Behandlungen durchgeführt werden dürfen oder wann die lebenserhaltenden Geräte abzuschalten sind.

 

Die Versorgungsvollmacht, auch als Gesundheitsvollmacht bekannt, regelt darüber hinaus, welche Personen aus dem persönlichen Umfeld in diese Entscheidung im Sinne des Patienten eingreifen können und dessen Wünsche nötigenfalls durchsetzen sollen. Die Wahl zwischen Patientenverfügung und Versorgungsvollmacht sollte jeder Betroffene individuell entsprechend der persönlichen Lebenssituation treffen.

 

Formulierung entscheidet über Verbindlichkeit

 

Die Verfassung einer Patientenverfügung oder Gesundheitsvollmacht und ihre erfolgreiche Umsetzung im Ernstfall hängen stark von der richtigen, unmissverständlichen Formulierungsweise ab. Optimal ist die Vorbereitung der Verfügung in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt und / oder einem spezialisierten Fachanwalt. Als Hilfestellung eignen sich darüber hinaus die vom Bundesjustizministerium zur Verfügung gestellten Textbausteine für eine juristisch sichere Formulierung ( http://www.bmj.de/cln_164/DE/Service/_node.html ).

 

Die Verfügung ist nach der Verfassung so zu hinterlegen, dass sie im akuten Fall griffbereit ist. Entsprechend sollten nahe Verwandte und / oder Bevollmächtigte über die Patientenverfügung, ihren Inhalt sowie ihren Aufbewahrungsort aufgeklärt sein. Der Patient selbst sollte den Inhalt regelmäßig im Abstand von zwei bis drei Jahren darauf hin prüfen, ob dieser noch dem persönlichen Willen und der individuellen Einstellung entspricht.

 

Eine aktuelle und gut vorbereitete Patientenverfügung genießt im Zusammenhang mit dem 2009 verabschiedeten Gesetz zur Patientenverfügung uneingeschränkte Verbindlichkeit, da jede Heilbehandlung die Einwilligung des Patienten bedarf. Ist diese den Ärzten durch die Patientenverfügung entzogen, wird eine Zuwiderhandlung durch lebenserhaltende Maßnahmen gegen den Willen des Patienten zu einem Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, welcher dem Tatbestand der Körperverletzung gleichzustellen ist.

 

Peter Lehnert

 

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